PAEDCOMPENDA

Eine praktische Anleitung

im direkten Vergleich zu einer Fahrschule

von Klaus Deichmann

PAEDCOMPENDA ist ein sogenanntes „kompetenzbasiertes Weiterbildungscurriculum der allgemeinen ambulanten Pädiatrie“ – mit anderen Worten: PAEDCOMPENDA erlaubt es, in einer sehr strukturierten und alle Themen umfassenden Form Fachärzte für Kinder‐ und Jugendheilkunde in der niedergelassenen (ambulanten) Pädiatrie auszubilden.

Grob gesprochen ist der für die eigenständige Tätigkeit nötige Wissensstand der ambulanten Pädiatrie in

12 „Anvertraubaren Professionelle Tätigkeiten“ (APT) zusammengefasst. Anvertraubar heißt: Wissenstand und praktische Fertigkeiten erlauben es dem AiW alleinverantwortlich, wenn auch mit dem Weiterbilder im Hintergrund, diese Tätigkeit auszuführen. Anvertraubar heißt dabei auch: Der AiW kennt die Grenzen seines eigenständigen Handelns.

Die Basiskenntnisse für diese APTs wiederrum sind in sogenannten Lernzielbögen zusammengefasst.

Vergleichen wir das mit der Fahrschule: um den Führerschein zu erlangen, müssen zunächst theoretische Basiskenntnisse vorhanden sein. Hier helfen die Lernzielbögen, sie stellen quasi den schriftlichen Teil der Fahrschule statt.

Der praktische Teil, die Fahrstunden, entsprechen hingegen der gemeinsamen Arbeit am Patienten: zunächst beobachtet der AiW den Weiterbilder bei der Arbeit, dann beobachtet der Weiterbilder den AiW bei der Arbeit.

Ist der Weiterbilder oder auch der AiW zur Überzeugung gelangt, er habe das nötige Rüstzeug und die Fertigkeiten erlangt, wird die „Fahrprüfung“ angesetzt. Aber auch hier besteht noch die Freiheit für den Weiterbilder, eine erfolgreiche praktische „Fahrstunde“ in der Beobachtungsphase als „Fahrprüfung“ anzuerkennen. Das kann besonders bei fortgeschrittenen Weiterbildungsabschnitten die Vorgehensweise vereinfachen.

INHALTLICHE UMSETZUNG

Es empfiehlt sich, mit der APT 1 zu beginnen: „Erstmalige Vorstellung eines zuvor gesunden Kindes wegen eines häufigen akuten Symptoms“.

Stufe 1: Der AiW füllt die insgesamt 11 Lernzielbögen zu dieser APT aus.

Stufe 2: Die Fahrstunden

Stufe 3: Die Fahrprüfung

Ist der Weiterbilder zu der Überzeugung gelangt, man könne dem AiW diese Tätigkeit auch ohne Supervision anvertrauen, und fühlt sich umgekehrt der AiW sicher genug, kommt es zur Führerscheinprüfung. Diese kann unterschiedlich gestaltet werden. Vorschläge:

WICHTIG

Man muss nicht alle Lernzielkategorien zu einer APT einzeln prüfen! So kann es ausreichen, die Behandlung von nur 1 oder 2 akut erkrankten Kindern darzustellen und dennoch die APT insgesamt zu erteilen.

Auch das ist so wie in der Fahrschule: die praktische Fahrprüfung wird nie alle Facetten möglicher Fahrfehler abdecken können, aber sie vermittelt einen Eindruck von der Fahrfertigkeit des Fahrschülers und man bekommt ihn danach – den Führerschein. Der Erhalt des Führerscheins heißt nicht, dass man nun alle Fahrsituationen beherrscht. Es heißt vielmehr, dass man nun eigenständig weiter üben darf!

Genauso ist es bei den APTs: auch das Erteilen der APT heißt nicht, dass der AiW alle Eventualitäten erfassen kann, er benötigt beim eigenständigen Handeln und Lernen immer wieder Hilfe des Weiterbilders – im Idealfall im Nebenzimmer. Wichtig ist aber, dass er die erreichten Grenzen seines eigenständigen Handelns erkennt.

ADMINISTRATIVE UMSETZUNG

In der Summe bleiben aber die Vorteile für die Praxis bestehen: der AiW kennt die Vorgehensweise der Praxis „aus eigener Erfahrung“, er fühlt sich viel sicherer in seiner eigenen Arbeit und kann diese Überzeugung auch eher auf die Patienten bzw. deren Eltern übertragen. UND: es passieren weniger Fehler.

Wir sind deshalb davon überzeugt, dass der Zusatznutzen bei PAEDCOMPENDA bei weitem den zusätzlichen Zeitaufwand ausgleicht.

In diesem Sinne wünschen wir allen Weiterbildern und ÄiW viel Spaß in der Umsetzung dieses neuen Weiterbildungsplans